productronica 2025 im Rückblick: Orientierung für EMSler, Aufbruch in bessere Zeiten?

12.01.2026 Elektronikpraxis

Die Besucherzahl auf der Münchener Fachmesse der EMS-Branche war mit rund 47.000 ein Indiz für wachsendes Interesse am Marktgeschehen. Wie auch nach etlichen der vorangegangenen Jahre. Die Vortragsreihen waren wieder gut besucht und wurden vom Publikum weitgehend als sinn- und gehaltvoll bewertet. Auch der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Unternehmen war vielerlei Hinsicht hilfreich und notwendig zugleich. Unterm Strich also alles gut?

Sicher, nach all den branchenbezogenen Wehen vor, während und nach der Corona-Zeit steht das Barometer tendenziell auf „aussichtsreich“. Betrachtet man die künftig fordernden Themen wie Advanced Packaging, Leistungselektronik oder die Absicherung der Wertschöpfungskette, die auf der „productronica“ behandelt und gehandelt wurden, zeigt sich jedoch für so manches Unternehmen eine unterschiedliche Herangehensweise, um die eigene Zukunft in den Griff zu bekommen. Angesichts der Tatsache, dass die Branche im deutschsprachigen Raum immer noch eher mittelständisch geprägt ist, spielen für viele EMS-Dienstleister die eigene Unternehmensgröße und begrenzte Kapitalressourcen eine entscheidende Rolle für den Bewältigungsprozess.

Hier kann nicht jedes am Marktgeschehen beteiligte Unternehmen sich allen Herausforderungen gleichermaßen stellen. Es gilt, gerade als Mittelständler, die Themen aufzugreifen, die nicht nur das Überleben sichern, sondern auch eine positive, gestalterisch aktive Rolle ermöglichen. Nach meiner Betrachtung sind es zwei Bereiche, die anzugehen, für die Zukunftsgestaltung mir unerlässlich scheinen:    

  • Auf flexible Fertigungslösungen fokussieren: Der Markt fordert künftig mehr situationsgerechte Elektroniklösungen. Kurze Produktionszyklen werden vornehmlich die Fähigkeit zur High-Mix- und Low-Volume-Produktion bestimmen und mitgestalten. Hier muss die digitale Grundstruktur in den Fokus genommen werden und dafür sorgen, dass modulare Fertigungssysteme die Flexibilität, die Wettbewerbsfähigkeit sichern.
  • Supply Chain Resilience und regionale Stärke – strategisches Denken ist gefordert: Die Lieferkettenproblematik ist so alt wie die Branche selbst – nur: die Unternehmen kommen nicht umhin, hier ernsthaft an einer marktgerechten Lösung zu arbeiten – und zwar im gesamten Verbund aller Beteiligten, ohne Berührungsängste. Nur so wird es gerade mittelständisch operierenden Unternehmen möglich, den regionalen Einkauf von Bauteilen strukturell abzusichern. Wem dies gelingt, wird weniger anfällig gegen große, immer wiederkehrende Krisen. Das Reshoring erlangt dabei eine zunehmende Bedeutung, um der Abhängigkeit von fernen Lieferquellen strategisch entgegenzuwirken.

Vieles davon ist nicht neu. Letztendlich ist es eine Frage der Haltung, wie und in welchem Maße ein EMS-Dienstleister sein Unternehmen mit diesen Gedanken und Maßnahmen in die Zukunft führen kann und soll. Dies wiederholt zu betonen, scheint mir unerlässlich, mit dem Hinweis auf folgende Verhaltensweisen, die für die Unternehmensentwicklung hinderlich sind:

  • Mit fortschreitend marktverändernden Gegebenheiten adäquate Entscheidungen für die Zukunft des eigenen Betriebes zu fällen, fühlen sich Unternehmer aufgrund der Komplexität oftmals überfordert. Sie werden vorsichtiger, zögerlicher – in einem Maße, das eher zur Stagnation als zur Expansion neigt.
  • Entscheidungen zur Investition in die Technologie werden hinausgeschoben, im Worst Case sogar gestrichen. Das, was den Unternehmer ausmacht – eine rational basierte Situationsbewertung und der gesunde Mut zum Risiko – gehen verloren, Ängste und Unsicherheit bestimmen das Alltagsgeschehen.
  • Die Bewältigung der Sorgen und der Suche nach den damit verbundenen Lösungen fehlt die Weitsicht. Das dringend strategische Denken mit Abstand gerät ins Abseits, führt mehr zum reaktiven Handeln als zur aktiven Unternehmensgestaltung.
  • Das Sich-im-Kreise-Drehen nimmt allmählich die Fähigkeit, die Gesamtproblematik zu erkennen und eine externe, andersartige Betrachtung des Geschehens als Lösungsweg zu sehen. Oftmals hilft bereits im ersten Schritt eine schlaglichtartige Analyse durch fachliche Beratung, den Blick auf den Horizont zu weiten, einen Ansatzpunkt zur andersartigen Problemlösung zu erkennen.

Kein Unternehmer, keine Unternehmerin ist vor diesen Veränderungen gefeit. Doch sie fordern, in neuralgischen Situationen hinderliche Grenzen zu überwinden. Die Rückbesinnung darauf, Hürden mit einer gewissen inneren Distanz zu betrachten und neu zu bewerten, möglicherweise durch fachlichen Dialog mit Externen oder anderen Betroffenen, kann ein Schritt in die richtige Richtung sein.

13. Januar 2026

Weitere Pressemitteilungen

Einordnung der EMS-Scout-Umfrage

Einordnung der EMS-Scout-Umfrage

Autor: Dr. Martin Large EMS-Branche 2025: Zwischen Krisenmodus und Hoffnungsschimmer Die EMS-Scout-Umfrage 2025 zeigt: Auftragslage und Auslastung bleiben schwach. Michael Künsebeck, Mitverantwortlicher der Erhebung, ordnet die Ergebnisse ein, erklärt, warum 2026...

mehr lesen
Kommen Sie zum EMS-Tag am 22.10.2025 nach Würzburg

Kommen Sie zum EMS-Tag am 22.10.2025 nach Würzburg

Branchenkenner, Marktakteure und Spezialisten zeigen beim Würzburger EMS-Tag, wie sich die EMS-Unternehmen verändern und aufstellen müssen, um im Wettbewerb Schritt zu halten. Der ‚Würzburger EMS-Tag‘ besteht aus einem Seminartag und einer Abendveranstaltung am Vortag...

mehr lesen
Umfrage zu Zufriedenheit und Erwartungen

Umfrage zu Zufriedenheit und Erwartungen

Wie sehen OEMs ihre EMS-Unternehmen? Wie gut ist die Beziehung von OEMs zu ihren EMS-Partnern wirklich? Das möchte der EMS-Scout herausfinden und ruft die Hersteller zur Teilnahme an einer neuen Umfrage auf. Gesucht: ehrliches Feedback für mehr Transparenz im...

mehr lesen