Partnerschaft ist keine Einbahnstraße, sondern bedarf der echten Kooperation

Eine Partnerschaft ist nicht, wenn nur der Partner schafft, sondern bedarf der echten Kooperation und Zusammenarbeit. Immerhin sind die EMS Produzenten in Europa letztlich nur die verlängerte Werkbank oder die Produktionsabteilung des Kunden. Diese Verbindung ist stark und kein Kunde wechselt seinen EMS Produzenten kurzfristig, immerhin sind der OEM und der EMS ein eingespieltes Team. Zu dieser Teamarbeit gehört es auch, sich gegenseitig zu unterstützen um einen reibungslosen Produktionsablauf zu gewährleisten.

Dazu gehört auch die Anpassung an wirtschaftliche Veränderungen. Niemand kann wohl behaupten, in den letzten 15 Monaten nichts von der großen globalen Knappheit von Halbleitern (Semiconductor) mitbekommen zu haben. Die Halbleiterproduzenten versuchen ihre Produkte gleichmäßig auf die verschiedenen Abnehmer zuzuteilen (Allokation), können aber den Gesamtbedarf derzeit noch nicht abdecken.

Natürlich ist dieses Phänomen teilweise auch durch ein unlogisches Verhalten der Einkäufer bedingt, die in solchen Zeiten dann gerne doppelt bestellen in der Hoffnung wenigsten eine Bestellung zu erhalten bzw. die Liefertermine unbegründet vorziehen in der Hoffnung dann wenigstens zum wirklichen Bedarfszeitpunkt die Ware zu erhalten. In der Betriebswirtschaft ist dieser Effekt als Peitschenhieb-Effekt (bull whip effect) bekannt, der sich in einer zyklischen Veränderung und Aufschaukelung der Bedarfe wiederspiegelt. Nach den allseits bekannten Marktgesetzen führt eine höhere Nachfrage als eine zur Verfügung stehende Kapazität immer zu Preiserhöhungen.

Konnten alte Bestellungen größtenteils zu ursprünglich vereinbarten Preisen verbucht werden bzw. bestehende Aufträge noch mit vorhandenem Lagerbestand abgewickelt werden, ist spätestens seit dem 4. Quartal 2021 das Ende der Fahnenstange erreicht. Preiserhöhungen von 12-15% bei Halbleitern schlagen jetzt durch. Aber nicht nur dort gibt es Preiserhöhungen. Sowohl bei Steckern, Lot, Metalle für Kühlkörper oder Gehäuse sind die Preise angestiegen.

Seit dem 3. Quartal laufen intensive Preisverhandlungen zwischen OEM und EMS und sind in vielen Fällen abgewickelt. Zudem haben viele OEM begriffen, dass sie nicht nur deutlich längerfristig verbindlich bestellen müssen, damit der EMS verbindlich die Materialien für den Auftrag bestellen kann, sondern die großen OEM haben auch erkannt, dass die finanzielle Leistungsfähigkeit der EMS irgendwann erschöpft ist, wenn man zur Sicherung der Lieferfähigkeit deutlich höhere Rohstoffmengen auf Lager legen muss. Diese zusätzlichen Roh- Hilfs- und Betriebsstoffe (RHB) haben den Vorratsbestand bei den EMS von durchschnittlich 18-20% auf mittlerweile 38-40% eines Jahresumsatzes angehoben. Weder große noch kleine EMS können diese massive Kapitalbindung einfach stemmen. Weitsichtige OEMs sind daher schon längst von sich aus dazu übergegangen, einen Teil der erforderlichen Rohstoffe beim EMS Lieferanten vorzufinanzieren um absolut sicher zu gehen, dass Aufträge nicht wegen fehlender Rohstoffe nicht geliefert werden können.

Aber, und man sollte es nicht glauben, es gibt noch immer Einkäufer die meinen wir hätten einen Käufermarkt. Gelegentlich erhalten wir dann wirklich Anrufe, wo uns der EMS mitteilt, sein Kunde akzeptiere keine Preiserhöhungen. Auf solch dummes Verhalten gibt es nur eine Antwort: Nicht mehr beliefern, denn wenn der Kunde die Partnerschaft so aufkündigt, muss sich der EMS auch nicht mehr die Beine ausreißen um den Kunden zu beliefern.

Die EMS haben komplette Listen mit sämtlichen Preiserhöhungen, teilweise sogar nach Lieferant unterteilt, es gibt also keine imaginären Preiserhöhungen sondern nachvollziehbare Fakten. Es ist jetzt die Zeit, die intensive Zusammenarbeit weiter zu festigen, indem man den EMS zuhört und sicherstellt, dass der Produktionsdienstleister noch Geld verdient. Wenn das nicht mehr gegeben ist, hat der OEM nichts gewonnen sondern vielmehr die Zukunft und Lieferfähigkeit des eigenen Unternehmens leichtfertig riskiert.

4. April 2022

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